Länderinfo und Geschichte Indiens

Indien ist ein Subkontinent mit erstaunlichen Zahlen, Daten & Fakten sowie einer weitreichenden Geschichte…

Indien auf einen Blick

Bevölkerung: > 1,2 Mrd.
Fläche: 3.287.000 km²
Hauptstadt: Delhi
Währung: Rupie (1 € = ca. 75 Rupien); 1 Rupie = 100 Paise
Sprachen: 22 offizielle Sprachen, landesweit wird Englisch verstanden; Sanskrit = Alt-Indisch; Hindi wird in Devanagari geschrieben und enthält viele Wörter aus dem Sanskrit.
Religionen: laut einer Volkszählung aus 2011 sind die Religionszugehörigkeiten wie folgt verteilt: 79,8 % Hindus, 14,2 % Muslime, 2,3 % Christen, 1,7 % Sikhs, 0,7 % Buddhisten, 0,4 % Jainas, 0,7 % andere wie Parsen, Bahai und Adivasi-Religionen.
Klima: Der riesige indische Subkontinent hat unterschiedliche Klimazonen: im Süden tropisch und subtropisch, in Zentral- und Nordindien hingegen gemäßigt bis alpin mit kalten Wintern. Ein Teil des Himalaya, des höchsten Gebirges der Welt, gehört zu Indien. Seine Gipfel, darunter der Mount Everest, sowie 95 weitere sind mehr als 7.500 m hoch.

Besonders dominant beeinflusst der Monsun das Leben in ganz Indien. Der Sommermonsun setzt im Großteil des Landes im Juni ein mit unerschöpflichen Niederschlägen (bis zu 90% der Gesamtniederschlagsmenge pro Jahr) bis September/Oktober. Es ist dann sehr schwül in den Regengebieten. Wintermonsunwinde sind von Oktober bis Mai sehr trocken bei meist wolkenlosem Himmel. Im April und Mai heizt sich der Subkontinent stark auf bei sehr heißen Temperaturen.

Bodenschätze: Indien ist der größte Eisenproduzent der Welt und baut im Süden überdies Gold, Diamanten und Edelsteine ab.

Filme über Indien

  • „Der Stern von Indien“, ein Film über Trennung zwischen Indien und Pakistan verpackt in einer ergreifenden Liebesgeschichte, gesehen am 11. September 17
  • Gandhi, ein Spielfilm aus 1982 von Richard Attenborough über die Lebensgeschichte des  Unabhängigkeitskämpfers Mahatma Gandhi.
  • Monsoon Wedding, ein Film über eine indische Hochzeit
  • Dilwale „Ich liebe dich“ – Bollywoodfilm aus 2015, der international in den Kinos gezeigt wurde

Bücher über Indien

  • Die Autobiographie von Jawaharlal Nehru „Glimpses of World History“
  • Vikram Seth „Eine gute Partie“ über den Norden Indiens
  • Salman Rushdie „Des Mauren letzter Seufzer“ über den Süden des Landes

Geschichte schnell erklärt

Vorzeit: Kunst-Zeugnisse aus der Steinzeit wie Jagdszenen wurden in Felsen am Indus-Fluss geritzt

Die Induskultur (Höhepunkt um 2.500 v. Chr.): war eine hoch entwickelte Kultur in Pakistan & Nordindien

Zeitalter der Veden (1.500-1.000 v. Chr.): Die Arier (zentralasiatisches Volk mit der Sprache Vedisch) gelangen aus dem Iran nach Indien. Die Macht des Kriegerhäuptlings (raja) wurde durch Priester (brahmanen) gestützt. Sie trugen auf Sanskrit Hymnen und Versdichtungen über das Leben im alten Indien zusammen wie die „Rigveda“, die „Upanishaden“, die „Puranas“ oder das Epos „Mahabharata“. Ihre Kultur beruhte bereits auf einer Unterteilung in Kasten, die v.a. durch die Hautfarbe der Menschen bestimmt wurde. Während die hellhäutigen Arier den höheren Kasten zugeordnet wurden, gehörten die dunkelhäutigen Ureinwohner den niedrigeren Kasten an.

Die arische und altindische Kultur verschmolzen in Nordindien zu einer indoarischen Zivilisation, während in Südindien die dravidische Kultur (mit den Sprachen Telugu, Tamilisch, Malayalam und Kannada) eigenständig blieb.

Frühe Reiche und Entstehung der Religionen: Die Zwänge des vedischen Hinduismus wurden zunehmend in Frage gestellt. In diesem Kontext entwickelten zwei Prinzen aus Nordindien zwei neue Religionen: den Buddhismus und den Jainismus.

300-180 v. Chr.: Das erste Großreich Indiens war das Maurya-Reich unter Chandragupta Maurya, dem es gelang, die Griechen zu vertreiben, welche nach der Invasion unter der Führung des makedonischen Königs Alexander in Indien geblieben waren. Der bedeutendste Herrscher der Dynastie war sein Enkel Ashoka. Auf die Maurya folten die Shunga- und die Kanva-Dynastien. 185 v. Chr. übernahmen die baktrischen Griechen die Vormachtstellung im Norden des Landes.
1.Jhdt. v. Chr.-3. Jhdt. n. Chr.: Das Kushana-Reich war das zweite bedeutende Staatswesen, das sich im Norden etablierte, während der Süden von unterschiedlichen Fürstentümern regiert wurde.

Das klassische Zeitalter von 300-650: im Norden herrschte die  Gupta-Dynastie, im Osten die Ganga-Dynastie, im Südosten die Pallava- und im Südwesten die Kadamba-Dynastie. Besonders unter der Gupta-Dynastie entwickelten sich einerseits die Künste und die Mathematik und andererseits die Idee des bhakti, also der Hingabe und Verehrung von Götterbildern. Erst nach dem Zusammenbruch des Gupta-Reiches stieg die Bedeutung des Südens, welches bedeutende Kunstwerke wie die Elephanta Skulpturen hervorbrachte.
8.Jhdt.: Islamische Eroberung durch die Rajputen: in Nordindien setzten sich der ritterliche indische Stamm, welcher der Kaste der Krieger angehörte, durch und gründete 738 die Stadt Delhi an jenem Ort, an dem bereits seit 1.200 v. Chr. die Vorgängerstadt bestanden hatte. Sie wurde zur Hauptstadt des ersten islamischen Staates auf indischem Boden und zum Sultanat erhoben. Während ihrer Herrschaft wurde die Miniaturmalerei gefördert.

1500-1700: Moguln-Herrschaft: Der Eroberer Babur rief einen Heiligen Krieg (jihad) aus, um die Rajputen zu schlagen. Unter Moguln-Herrschaft kam es zur Verschmelzung indischer und islamischer Kultur zur indoislamischen Kultur.

Es herrschte eine Atmosphäre religiöser Toleranz, in welcher Indiens jüngste große Religionsgemeinschaft, die Sikhs, entstand.

Unter der Regentschaft von Shah Jahan war der prunkvolle Hof des Herrschers bereits zu groß, um im Land herumzuziehen. Nach dem Tod seiner Frau Mumtaz Mahal bei der Geburt des 14. Kindes ließ er ihr zu Ehren das Taj Mahal errichten, das 1652 fertiggestellt wurde. Ebenso das Rote Fort von Agra mit der Perlmoschee. In Delhi ließ er eine neue Stadt anlegen, die heutige Altstadt.

Europäische Kolonialbestrebungen: Als den Moguln zunehmend die Kontrolle über ihr Reich entglitt, errangen hinduistische Fürsten und Grundbesitzer mehr Einfluss. Auch die europäischen Handelsmächte nutzten die komplexe Machtsituation im Land, um das Monopol Venedigs und er Türkei über die Verbindungsrouten in den Orient zu beenden.

1498 Portugiesische Expeditionen: Vasco da Gama umfuhr das Cap der guten Hoffnung und landete in Kerala. Nach und nach wurde missioniert (es kam zu Massentaufen) und die Hafenstadt Goa eingenommen.

1600 Gründungsprivileg der britischen East India Company durch Elisabeth I. Ab 1615 bestanden diplomatische Kontakte über Sir Thomas Roe zu den Moguln und 1661 erwarb die Company die malariaverseuchten Inseln von Bombay (Mumbai) durch Heiratspolitik mit Portugal. Kalkutta wurde zum Sitz der East India Company, welche enorme Gewinne erzielte, während die Bevölkerung hungerte. 1857 kam es daher zum indischen Aufstand gegen die Kolonialherrschaft der Ostindien-Kompanie.

1858 Britischer Imperialismus: es erfolgte die Absetzung der Mogulnkaiser sowie die Auflösung der East India Company, damit das Land der Verwaltung durch die britische Monarchie (Königin Victoria) unterstellt werden konnte. An der Spitze der Kolonialverwaltung stand der von Großbritannien eingesetzte Vizekönig. Neu-Delhi wurde als Zeichen der Macht von Edwin Lutyens auf dem Reißbrett entworfen und zur offiziellen Hauptstadt erklärt. Ebenso wurden Universitäten und Gerichtshöfe erbaut und Inder zunehmend in die Regierungsarbeit einbezogen.

1885: Forderung der Unabhängigkeit Indiens:

  • Es kam zur Gründung der Kongresspartei „Indian National Congress“
  • Vordenker: Gandhi Mahatma („Der große Geist“) stand für das Unabhängigkeitsstreben durch Gewaltlosigkeit/Nichtzusammenarbeit mit den Briten. 1930 organisierte er einen Salzmarsch als Protest gegen das britische Salzmonopol. Gandhi forderte die Einheit Indiens mit hinduistischen und islamischen Bewohnern sowie Angehörigen aller anderen Religionen in einem säkularen Staat und wurde deshalb 1948 von einem Hindu-Nationalisten ermordet.
  • Jawaharlal Nehru: Er war erster indischer Premier und stand für Demokratie & Säkularismus (Kongresspartei). Seine Tochter war Indira Gandhi (ebenfalls Premierministerin), die nach der Zerstörung eines Shik-Tempels durch die Armee von ihren Bodyguards ermordet wurde. Ihr Sohn, Rajiv Gandhi (ebenfalls Premierminister), wurde nach Indiens Eingreifen in den Bürgerkrieg in Sri Lanka von separatistischen Tamilen der LTTE ermordet.
  • Mohammed Ali Jinnah: Er war Führer der neu gegründeten Partei „Muslimliga“ und stand im Unterschied zu Gandhi und Nehru für die „Zwei-Nationen-Theorie“, welche die Trennung von Hindus und Muslimen forderte.
  • Lord Moutbatten war der britische Vizekönig von Indien, Onkel von Prinz Philip, dem Mann von Queen Elizabeth II. Er legte in der Hoffnung auf Frieden den Mountbattenplan zur Aufteilung in zwei Staaten, Indien & Pakistan, vor.

1947: Teilung des Subkontinents: Indien (Hindus) & Pakistan (Muslime). Pakistan bestand bis 1971 aus zwei Teilen: Westpakistan (das heutige Pakistan) und Ostpakistan (das heutige Bangladesch). Der Punjab und Bengalen wurden in der Mitte durch Grenzziehung geteilt, es wurde den Fürstenstaaten jedoch die Wahl gelassen, welchem Staat sie sich anschließen, was zu Massenvertreibungen führte. Wegen des Fürstenstaats Kaschmir kam es im Oktober zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg. 1965 folgte der zweite Krieg mit Pakistan und 1971 kam es neuerlich zu Auseinandersetzungen mit Pakistan und zur Gründung von Bangladesch.

1980: Gründung der BJP „Indische Volkspartei“ (rechtskonservativ, hindu-nationalistisch): Politisch-religiöse Mobilisierungsstrategien führten zum Aufstieg zur Regierungspartei.

1998: Höhepunkt des Wettrüstens mit Pakistan: Atombombentests veranlasst durch die BJP-Regierung wurden durchgeführt. Die angestrebten Eigenschaften der neuen Nation, die durch militanten Hindu-Nationalismus forciert wurden, sollten folgende umfassen: maskulin, wehrhaft und kompromisslos.

1999: Konflikt mit Pakistan um Kaschmir

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